St. Michael Falkenhagen

Eine bewegte Geschichte

St. Michael Falkenhagen

Eine Kirche im eigentlichen Sinne gab es für die katholische Pfarrei St. Michael Falkenhagen seit der Reformation bzw. seit Aufhebung des Klosters im Jahre 1596 zunächst nicht mehr. Der Paderborner Bischof und der lippische Graf teilten die Ordensniederlassung einvernehmlich, indem sie durch die Gesamtanlage in West-Ost-Richtung eine Linie zogen. Alles, was nördlich dieser Linie lag, die Kirche mit den Klostergebäuden ging an die Grafschaft Lippe. Der südlich gelegene Teil, die Wirtschaftsgebäude fielen an das Fürstbistum Paderborn.

Kirchenansicht 3 1Die Wirtschaftsgebäude übergab der Paderborner Bischof im Jahre 1604 den Jesuiten, die bei der Inbesitznahme ein Gebiet betraten, welches der katholischen Kirche verloren gegangen war, weil die Bevölkerung dem Gesetz nach evangelisch sein musste.

1695 wurde eine Hauskapelle im Untergeschoss der errichteten Residenz der Jesuiten, dem „Jesuitenkloster" oder „Jesuitenhaus" eingerichtet. In der Jesuitenresidenz befand sich auch eine Schule. Die Jesuiten wirkten bis 1773 in Falkenhagen. Danach wurde die Pfarrei St. Michael Falkenhagen von Priestern des Fürstbistums Paderborn betreut.

Grundschule von 1836 Foto 1932Alte kath. Grundschule, Foto 1932Da sowohl der Kapellenraum wie auch der Schulraum sehr beengt waren, wurde 1816 ein eigenes Schulhaus neben der Kirche errichtet. Aufgrund dieser Maßnahme konnte im Jahre 1818 die Jesuitenkapelle erweitert werden.
www.st michael falkenhagen.de
Kirchenraum St. Michael, Foto um 1920Die als Pfarrkirche dienende Kapelle und die Wohnung für den Pfarrer und den Kaplan befand sich unter einem Dach. Die Kirche nahm fast das ganze untere Geschoss ein, bis auf die Küche und ein kleines Zimmer. Im Chorraum stand der Hochaltar, zwei Seitenaltäre, die Kommunionbank, Taufbecken und ein Chorstuhl. Der Raum für Kinder betrug 20 m2, für Erwachsene 116 m2. Bei der Orgel nahm ein Teil der Männer Platz.
Im zweiten Stockwerk über der Kirche befanden sich die Wohnung und Schlafräume.

Nachdem sich alle Hoffnungen auf eine neue Kirche und auch auf den Bau eines neuen Pfarrhauses zum Zwecke der Erweiterung der Kirche zerschlagen hatten, bahnte ab ca. 1926 durch die Auflösung der Domäne eine neue Situation zur Durchführung der Baumaßnahmen an. Durch die Aufhebung der Domäne, die aus dem alten Klosterbesitz bestand, wurde auch das Haus des Domänenpächters frei, das heutige katholische Pfarrhaus. Von der lippischen Regierung wurde es der katholischen Kirchengemeinde zum Kauf angeboten.
PriorhausNachdem das Generalvikariat in Paderborn 1928 dem Kauf zugestimmt hatte, ging das Haus in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde über.  Nach einer Renovierung zog der damalige Pfarrer Anton Ebers 1929 aus dem Kirchengebäude aus und in das neue Pfarrhaus ein. Jetzt konnte endlich mit dem Ausbau des Kirchengebäudes begonnen werden.

Pfarrer Kevekordes, der Nachfolger von Pastor Ebers, trieb die Umbaumaßnahmen zügig voran. Auf den Antrag vom 8. September 1931 an den Landeskonservator in Blomberg kam am 19. September 1931 die Antwort, dass gegen den vorgelegten Umbauplan vom Standpunkt des Konservators nichts einzuwenden sei.

St. Michael 2 Foto 1932Kirchenraum St. Michael, Foto 1932Die Bauarbeiten bestanden wesentlich darin, die eingezogene Decke und Zwischenwände zu entfernen. Dadurch entstand aus dem ehemaligen „Jesuitenhaus" eine Saalkirche, die nun genügend Platz für die ganze Pfarrgemeinde bot. Durch einen großen geöffneten Bogen, vor dem die Seitenaltäre aufgebaut wurden, erhielt der Chor mit dem Hauptaltar einen abgeschlossenen Charakter.
Die Planung zur Gestaltung des liturgischen Innenraumes der Kirche mit Altar, Seitenaltären, Kanzel etc. sowie der farblichen Ausmalung des Raumes wurde von Pastor Kevekordes selbst bestimmt. An den Künstler und Maler Bernd Terhorst aus Elten-Niederrhein, der mit der Ausführung beauftragt wurde, schrieb er am 17. März 1932:

„Das Thema für die Ausmalung soll sein, die ecclesia, die Kirche, der mystische Christus mit seinen Lebensquellen, wie sie uns fließen in den Sakramenten im Laufe des Kirchenjahres. In dem Feld über der Seitentür wird die Kirche als der mystische Christus dargestellt, zwischen den Fenstern die 7 Sakramente, an der Decke das Kirchenjahr, entweder in Kassetten oder in einem Oval bzw. Kreis, von dem Strahlen ausgehen nach den 4 Ecken, wo noch kleine Symbole angebracht werden, die sich auf das große Symbol in der Mitte beziehen. In dem Feld vor dem Chorbogen die Vorbilder des hl. Messopfers, das Opfer Abels, Abrahams und des Melchisedech, auf den Feldern zwischen den Fenstern vor dem Chorbogen links die Verheißung, rechts die Einsetzung des Altarsakramentes, in den Zwickeln des Chorbogens je ein Engel mit Rauchfass, darüber die Inschrift: „Der du stehst zur Rechten des Altares, Heiliger Michael, Erzengel, bitte für uns."

St. Michael 3 Foto 1966Kirchenraum St. Michael, Foto 1966Im Zuge der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil und in Folge des damaligen Zeitgeistes wurde das Innere der Kirche völlig neu gestaltet. Der berühmte Barockaltar wurde abgebaut und an seine Stelle eine wuchtige Steinmensa gesetzt. Tabernakel und Ambo wurden durch eine moderne Eisenkonstruktion ersetzt. An die Stelle der aus Holz gefertigten Orgelempore trat eine Stahlbetonkonstruktion. Die kunstvoll gefertigten schmiedeeisernen Schranken zum östlichen Beichtstuhl wurden abgebaut und dienen seitdem zum Teil als Eingangstore der Friedhöfe in Falkenhagen, Niese und Wörderfeld. Die Wand mit dem geöffneten Torbogen als Trennung zwischen Chor und Kirchenraum wurde herausgenommen. Wand- und Deckenmalereien von 1932 verschwanden gänzlich und wurden durch einen weißen Anstrich ersetzt. Erhalten blieben nur die Bänke und die Ölbilder der Kreuzwegstationen, die aber auch 1979 gegen moderne, aus Bronze gefertigte Plastiken ausgetauscht wurden. Dadurch entstand ein sehr kalter und nüchtern wirkender Raum, der bei vielen Gemeindemitgliedern auf heftige Ablehnung stieß. Mit der Renovierung war auch der Neubau einer Sakristei als Anbau an der Südseite der Kirche verbunden.

Kirche innen 1 1Infolge einer erneuten Renovierung im Jahre 1989 wurde der alte barocke Hochaltar, von dem noch viele Einzelteile in Hardehausen vorhanden waren, wieder aufgestellt. Ebenso wurden die alten Ölbilder der Kreuzwegstationen wieder angebracht. Dazu gehörten auch die Heiligen-Statuen, die heute wieder die Wände im Schiff der Kirche zieren. Dadurch hat die Kirche wieder etwas von ihrer alten Atmosphäre zurückbekommen. Leider scheiterte es an der Kostenfrage, auch die übertünchten Malereien von 1932 wieder freizulegen, was der Kirche sicher den alten Glanz verliehen hätte.

Mit dem Erwerb des jetzigen Pfarrhauses nach der Auflösung der Domäne erwarb die katholische Kirchengemeinde auch ein Wirtschaftsgebäude neben dem Pfarrhaus, das dann zu einem Pfarrsaal eingerichtet wurde, der der ganzen Pfarrgemeine zu Bildungs- und Festveranstaltungen zur Verfügung steht.

 

Quellen:
Festing, Heinrich, Kloster und katholisches Kirchspiel Falkenhagen. Bonifatius Verlag, Paderborn 2005
Gerking Willy, 300 Jahre Kirche St. Michael Falkenhagen, Unger & Pauselius, Emmerthal 1995

Weitere Informationen
Gerking Willy, 750 Jahre Kloster Falkenhagen, heka-Verlag, Leopoldshöhe 1997

Beitragsaufrufe
640063

Copyright © 2019. All Rights Reserved.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok