Kloster und Kath. Pfarrkirche St. Michael Falkenhagen

St

Das im Jahre 1232 durch Graf Volkwin IV. von Schwalenberg erbaute Kloster Burghagen wurde im Jahre 1247 durch die Zisterzienserinnen unter dem Namen „Vallis Liliorum“ nach Falkenhagen verlegt. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wo sich der Gründungsort des Klosters Burghagen befindet. Ausgrabungen sprechen für die Stelle im Schwalenberger Wald, die noch heute als „de wöste Kerke“ bezeichnet wird.

Das „Kloster Lilienthal“ haben die Zisterzienserinnen unter ihrer Äbtissin Kunigunde, Tochter des Grafen Volkwin IV., schnell zu einer großen Blüte geführt. Durch Rodung und Urbarmachung der wüsten Gegend haben sich die Nonnen große Verdienste erworben. Leider währte die Blütezeit nicht lange. Denn infolge der „Eversteinschen Fehde“ zwischen der Grafschaft Everstein — mit der Burg Polle als Mittelpunkt zwischen Höxter und Hameln gelegen - und dem Herzog Heinrich von Braunschweig-Lüneburg wurde das Kloster Falkenhagen im Februar 1407 vollständig zerstört. Die Nonnen flohen in das nahegelegene Kloster Brenkhausen. Sie sahen sich nicht in der Lage, das zerstörte Kloster wieder aufzubauen.

Nachdem das Kloster mit allen Einrichtungen 20 Jahre brach gelegen hatte, versuchten Brüder des Wilhelmitenordens aus Witzenhausen den Wiederaufbau. Nach 5 Jahren verließen sie aber Falkenhagen. Mit der Übernahme der wüsten Klosteranlage durch die „Kreuzherren“ im Jahre 1432 begann ein neuer Abschnitt der Geschichte des Klosters Falkenhagen.

Nachdem alle rechtlichen Angelegenheiten erledigt waren, konnten die Kreuzherren, „Orden vom Heiligen Kreuz“, mit dem Wiederaufbau des Klosters Falkenhagen im Jahre 1442 beginnen. Doch schon in der ersten Aufbauphase erlitten sie einen schweren Rückschlag durch die „Soester Fehde“ im Jahre 1447. Da Lippe in die Fehde um die Stadt Soest zwischen dem Erzbischof von Köln, Dietrich von Moers, und dem Herzog von Cleve hineingezogen wurde, plünderten und zerstörten Böhmische Söldnertruppen das Kloster erneut bis auf die Grundmauern.

Die Kreuzherren ließen sich dadurch aber nicht entmutigen, das Kloster nach der Zerstörung ein zweites Mal aufzubauen. Einen schweren Rückschlag erlitten sie dabei durch den Brand im Jahre 1479, der den gesamten Dachstuhl von Kirche und Kloster vernichtete. Im Jahre 1483 konnte zunächst die Kirche und 1497 das gesamte Kloster eingeweiht werden. 1509 wurde das „Priorat“, der zweigeschossige Fachwerkbau - heute evangelisches Pfarrhaus - erbaut. Unter dem Prior Heinrich von Bocholt erlebte das Kloster Falkenhagen um die Jahrhundertwende seine Blütezeit.

Gerade zur Zeit der Hochblüte des Klosters - besonders auf wirtschaftlichem Gebiet – kam es in Folge der Reformation im Jahre 1517 zur Verwirrung der Gemüter, zu sittlichen Fehlleistungen und damit zu großen Ärgernissen unter den Mönchen und in der Öffentlichkeit, was auf die Umstände der Zeit zurückzuführen ist. Unter dem Druck des Grafen Simon VI. sah sich Dietrich, Fürstbischof von Paderborn, daher veranlasst, das Kloster Falkenhagen aufzulösen und die Klostergüter aufzuteilen. Im Vertrag vom 14. Oktober 1596 bildete die Straße von Rischenau nach Polle die Teilungsgrenze. Den nördlich gelegenen Teil der Klostergüter mit Kirche und Klostergebäude erhielt Graf Simon VI. und den südlichen Teil mit den Wirtschaftsgebäuden der Bischof von Paderborn. Der Bischof von Paderborn schenkte seinen Teil dem Jesuitenorden.

PriorhausWelche Kraft die Kreuzherren in den Wirren der Reformation noch hatten, beweist das großartige Fachwerkhaus - „Priorhaus“ - heute kath. Pfarrhaus, das 1581 von Prior Christoph van Dart gebaut wurde. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1596 war es der Wohnsitz des Domänenverwalters. Als die Domäne im Jahre 1929 aufgelöst wurde, erwarb es die katholische Kirchengemeinde.

Im Jahre 1604 kamen die Jesuiten nach Falkenhagen, wo sie zunächst eine kleine „.Jesuitenresidenz“ errichteten. Bis zur Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 kam es zu ständigen Auseinandersetzungen über den Aufteilungsvertrag. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) wechselten Kloster und Klosterkirche drei Mal den Besitzer. Im „Westfälischen Frieden“ von Münster und Osnabrück im Oktober 1648 wurden Kirche und Klostergebäude endgültig dem Land Lippe zugeschrieben.

Im Jahre 1695 errichteten die Jesuiten das „Jesuitenkloster“, die heutige katholische Kirche St. Michael. Im Untergeschoss befanden sich Schulraum, Kapelle und Refektorium. Das Obergeschoss diente den Jesuiten als Kloster. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 verließen die Jesuiten Falkenhagen. Die Seelsorge wurde unter dem „Pfarrzwang“ der Reformierten Kirche zwei katholischen Seelsorgern übertragen. Nach der Aufhebung des „Pfarrzwangs“ durch das „Edikt von 1854“ durch Fürst Leopold III. zu Lippe wurde bereits im November 1854 die Pfarrei St. Michael Falkenhagen gegründet.

Vor dem Ersten Weltkrieg begannen bereits Planungen für den Bau einer neuen Kirche. Zunächst vereitelte die lippische Regierung dieses Vorhaben durch Verweigerung eines Bauplatzes. Da der bereits vorhandene Kirchbaufonds der Inflation nach dem Krieg zum Opfer fiel, musste der Plan aufgegeben werden.

Durch die Aufhebung der Domäne, die aus dem alten Klosterbesitz bestand, wurde das Haus des Domänenverwalters von der katholischen Pfarrgemeinde vom Land Lippe erworben. Nach der Renovierung erhielten der Pfarrer und sein Vikar darin ihre Wohnung, die sie bisher im Obergeschoss der Kirche hatten. Damit konnte endlich mit dem Ausbau des „Jesuitenklosters“ zur heutigen Pfarrkirche St. Michael begonnen werden.

Kirche innen 1 1Die liturgische Gestaltung des Innenraumes sowie die farbliche Ausmalung wurde durch Pastor Kevekordes bestimmt und durch den Künstler und Maler Bernd Terhorst aus Elten-Niederrhein ausgeführt. Inzwischen wurde der Kirchenraum wiederholt liturgisch neu gestaltet. Der Hochaltar wurde 1932 von der Firma Braun unter Verwendung von Teilen eines alten Barockaltars geschaffen. An Stelle des Gekreuzigten befand sich ursprünglich „Die Geburt Christi“, Gemälde von A. Stradtmann, 1795. Heute im Diözesanmuseum Paderborn.

Zum Pfarrbezirk der Pfarrei St. Michael Falkenhagen gehören 10 Dörfer. 1926 wurde die Filialkirche St. Marien in Sabbenhausen errichtet und 1937 die Filialkirche St. Josef in Niese. Im ehemaligen Schulgebäude von Wörderfeld wurde die St. Elisabethkapelle eingerichtet. Zur Pfarrei St. Michael gehören etwa 1400 Katholiken.

 

Flyer - Vergangenheit und Gegenwart.pdf

 

Bild- und Fotonachweise

1. Titelbild „Tuschezeichnung Kloster Falkenhagen um 1764“ von Johann Ludwig Knoch, Signatur der Lippischen Landesbibliothek Detmold 2 F2.

2. „Chorgestühl“ fotografiert von Dirk Nothoff, Gütersloh, 1988

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